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Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät

Professur für englische Literaturwissenschaft – Prof. Dr. Florian Klaeger

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Forschung

Schwerpunkte

  • Literaturtheorie

  • Gattungstheorie (insbes. zum englischsprachigen Roman)

  • britische Literatur und Kultur der frühen Neuzeit

  • diasporisches Schreiben

  • Literatur und Wissen, insbes. literarische Astrokultur

  • das Romanwerk Martin Amis'

  • britisches Drama und Theater im 20. und 21. Jahrhundert


Laufendes Projekt

Kosmopoetisches Formwissen: Astronomie, Poetik und Ideologie in England, 1500—1800Einklappen

(2019—22, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Das Projekt untersucht, wie im frühneuzeitlichen England (1500—1800) Wissensbestände in den Bereichen der Astronomie, der Poetik und der Politik über Formverfahren transferiert werden. Es geht aus von der Beobachtung, dass Wissen erst über seine formale Verfasstheit Autorität erlangt, und dass diese Autorität auf andere Bereiche ausstrahlt, in denen ähnliche Formen zur Anwendung kommen. In diesem Sinn postuliert es ‚Formwissen‘ als zentralen wissenschaftshistorischen Faktor neben ‚Sachwissen‘ und ‚Personenwissen‘ (vgl. Shapin, A Social History of Truth). Konkret untersucht es, wie im frühneuzeitlichen England astronomisches Wissen vermittelt wird und wie die dabei verwendeten Formen ebenso wie das Wissen selbst ideologisch bzw. poetologisch aufgeladen werden. Das Textkorpus umfasst zum einen die immens populäre Gattung des Almanachs sowie ebenfalls an ein breites Publikum gerichtete astronomische Lehrbücher – Textsorten also, in denen astronomisches Wissen pragmatisch aufbereitet und zugleich oft ideologisch operationalisiert wird. Ihre Formverfahren werden in Beziehung gesetzt mit ebenfalls wertenden Aussagen zur dichterischen Form in Poetiken und Rhetoriken. Die Gattung des Lehrgedichts schließlich vereint poetologische Selbstreflexion, astronomische Wissensvermittlung und ideologische Aufladung.

Die bei der Schaffung und Vermittlung astronomischen Wissens verwendeten Formverfahren sind nicht als bloßes Symptom gesellschaftlicher Umstände zu betrachten, sondern als Einflussnahme darauf. Dabei vermitteln die Formen – so z.B. die (neu-)platonische Einheit des Kosmos, die Hierarchie der Himmelskörper oder die Sphärenharmonie – Geltungsansprüche, die ihre Wirksamkeit nicht ursächlich aus dem astronomischen Gegenstand beziehen, sondern aus den Sphären der Gesellschaft und der Dichtung. Die astronomische ‚Evidenz‘ belegt dann im Umkehrschluss die Legitimität der irdischen Strukturen oder verlangt nach einer Umdeutung bestimmter Formen. Die ideologische Vereinnahmung astronomischer Phänomene lässt sich besonders in der volkstümlichen Textform des Almanachs und an astronomischen Lehrbüchern nachvollziehen. Anhand von Poetiken und Rhetoriken – und damit an Institutionen des emergenten Systems ‚Literatur‘ – wird überprüft, welche epistemologischen und ontologischen Implikationen das Imaginieren fremder Welten für frühneuzeitliche Mimesis- und Autorschaftskonzepte hat. Aus dieser Doppelperspektive, die in der Textsorte des Lehrgedichts vereint ist, wird nachvollzogen, welche Formverfahren frühneuzeitliche Texte auf astronomische Wissensbestände zur Anwendung bringen – wie also astronomisches Wissen aufgrund von poetischen Annahmen formal konstituiert wird. Umgekehrt ist zu beschreiben, welches Formwissen die Gegenstände, Methoden und Techniken der Neuen Wissenschaft bereitstellen und wie das Wissen von und über Formen sich durch die Neue Astronomie wandelt. Die ideologische Aufladung und identitätsstiftende Funktion solcher Formen wird mit Blick auf Geschlechter-, Standes- und Konfessionskollektive sowie auf die nationale englische und transnationale europäische Selbstwahrnehmung untersucht.

Bildnachweis:
Petrus Apian, Astronomicum Caesareum, Ingolstadt 1540 (Bayerische Staatsbibliothek München, Rar. 821 a, fol. F.iii.v)


Verantwortlich für die Redaktion: Univ.Prof.Dr. Florian Klaeger

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